Neue Publikation: Was bezeichnet Einwilligungsfähigkeit / Urteilsfähigkeit?

Einwilligungsfähigkeit: Inhärente Fähigkeit oder ethisches Urteil?

Zusammenfassung:
Die Bestimmung der Einwilligungsfähigkeit von Patienten beinhaltet weitreichende ethische und rechtliche Implikationen. Ausreichende Klärung des Begriffs ist daher unerlässlich. Solche Bemühungen gelten vorwiegend der Definition von Kriterien hinsichtlich relevanter mentaler Fähigkeiten. Grundlegendere Aspekte werden kaum expli- zit besprochen, so die Frage, ob Einwilligungsfähigkeit eher eine inhärente Fähigkeit oder ein ethisches Urteil bezeichnet. Zentral bei dieser Unterscheidung ist der Stellenwert ethi- scher Überlegungen die Zulässigkeit fürsorglicher Bevormundung betreffend. Geht man von einer inhärenten Fähigkeit aus, schließen solche Überlegungen an die Beurteilung von Einwilligungsfähigkeit an. Im Fall eines Urteils sind diese konstitutiv für das Verständnis und die Bestimmung von Einwilligungsfähigkeit. Obwohl Einwilligungsfähigkeit idealer- weise als inhärente Fähigkeit gedacht wird, weist die tatsächliche Herangehensweise eher in die Richtung, sie als ethisches Urteil zu verstehen. Diese verschiedenen Tendenzen sind für konzeptuelle Kontroversen hinsichtlich des Stellenwerts risiko-relativer Beurteilungen verantwortlich. Des Weiteren muss sich die Bestimmung von Einwilligungsfähigkeit – konzipiert man sie als ethisches Urteil – nicht rigide an einer bestimmten Definition des Begriffs der Autonomiefähigkeit orientieren und vermag so mit dessen definitorischen Unklarheiten besser umzugehen.

Abstract:
Definition of the problem Because determining a patient’s decision-making competence has far-reaching ethical and legal implications, the concept of competence must be clearly understood. The criteria for competence are commonly defined in terms of mental abilities; more basic questions as to whether competence refers to an inherent ability or to an ethical judgment are rarely discussed in more detail. Arguments A central aspect of this distinction between ability and judgment concerns the significance of ethical considerations relating to paternalism and its legitimacy. Where competence is conceived as inherent ability, such considerations follow a determination of competence; where it is conceived as ethical judgment, these matters become constitutive of understanding and determining competence. Conclusion Despite the observed tendency to understand competence ideally as an inherent ability, actual practice suggests that, to the contrary, competence is conceived as a matter of ethical judgment. These conflicting tendencies may account for associated conceptual controversies, especially with regard to risk-relative evaluations. Moreover, conceived as judgment, determinations of competence need not adhere rigidly to definitions of autonomy, and so are better able to deal with the inherent ambiguity of this notion.